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Sonntag, 6. August 2017

"Baby Driver" und der Tinnitus

Im neuen Film "Baby Driver", einem Action-Thriller von Edgar Wright, versucht der Held, seinen Tinnitus durch ständiges Hören von Musik zu übertönen, um so das lästige Piepsen loszuwerden. Aber macht das medizinisch gesehen Sinn?

Die Antwort ist ein klares Nein! Denn laute Musik verdeckt den Tinnitus zwar kurzfristig, verschlechtert ihn aber langfristig: Das liegt daran, dass jedes Mal nach dem Musikhören ein Demaskierungseffekt auftritt, d.h. die Hörverarbeitung entdeckt den Tinnitus immer wieder neu und verstärkt ihn entsrechend ihrer Aufgabe, potenziell bedrohliche oder krankhafte Geräsuche bewusst zu machen.

Dennoch gehören auch Geräusche zur Tinnitusbehandlung, um den Stressfaktor Tinnitus zu reduzieren und den Teufelskreis aus Tinnitus und Stress zu durchbrechen. Diese Geräusche sollten allerdings leiser als der Tinnitus sein und möglichst angenehm oder neutral, damit die Hörverarbeitung sie unterdrückt und die zusätzlichen Geräusche nicht selbsst zum Stressfaktor werden. Das können Naturgeräusche sein oder ein einfaches Rauschen, wie es beim Noiser eingesetzt wird.

Im Falle von "Baby Driver" wäre im übrigen weniger eine akustische Behandlung sinnvoll als vielmehr eine Reduzierung von Stress, der wie ein Lautstärkeknopf den Tinnitus verstärkt. Denn was er in dem rasanten Film alles erlebt, hätte wohl bei den meisten noch ganz andere Beschwerden als einen Tinnitus ausgelöst.



Dienstag, 4. Juli 2017

Wie entsteht ein Tinnitus?


Von Geburt an sterben im Innenohr Sinneszellen ab und wachsen auch nicht mehr nach. Diese kaputten Sinneszellen bleiben aber am Hörnerven angeschlossen und die hiermit verbundenen elektrischen Aktivitäten im Gehirn können grundsätzlich als Tinnitus wahrgenommen werden. 

Die Hörverarbeitung hat die Aufgabe, wichtige Geräusche zu verstärken und unwichtige Geräusche zu unterdrücken. Irreguläre Erregungen durch kaputte Sinneszellen, die langsam im Laufe des Lebens entstehen, werden meistens als unwichtig erkannt und daher nicht als Tinnitus wahrgenommen. Plötzliche Hörschäden z.B. nach Lärm oder bei einem Hörsturz führen dagegen zu einem sofort wahrnehmbaren Tinnitus.

Da es in Gefahrensituationen wichtig ist, möglichst viele Informationen zu bekommen, wird bei einer Aktivierung des vegetativen Nervensystems durch Stress die Filterfunktion der Hörverarbeitung aufgehoben. Stress führt also ebenfalls zu einem Tinnitus. Da der Tinnitus dann häufig selber wieder Stress macht, entsteht ein echter Teufelskreis.

Aber auch die subjektive Bewertung von Geräuschen spielt eine wichtigen Rolle. Für je wichtiger man ein Geräusch hält, desto mehr verstärkt die Hörverarbeitung dieses Geräusch. Beschäftigt man sich viel mit seinem Tinnitus, führt das zwangsläufig zu einer Verstärkung. 

Mittwoch, 24. Mai 2017

Checkliste Tinnitus

Tinnitus erfordert ein individuelles, ganzheitliches Therapiekonzept, das auf verschiedenen Ebenen dabei hilft, den Tinnitus zu bewältigen. Je besser die verschiedenen Therapiebausteine dabei ineinandergreifen und je vollständiger sie umgesetzt werden, desto schneller und nachhaltiger bekommt man seinen Tinnitus in den Griff. Die nachfolgende Checkliste hilft dabei, nicht zu vergessen und auch immer mal wieder zwischendurch zu kontrollieren, ob alle Weichen richtig gestellt sind:

  • HNO-Arzt: hier sollte vor allem ganz am Anfang nach einer Ursache für den Tinnitus gesucht werden, damit ggf. eine ursächliche Therapie eingeleitet werden kann.
  • Liegt eine Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis) vor, sollte ein Hörtraining gemacht werden, da die Hörverarbeitung erst einmal lernen muss, alltägliche Störgeräusche zu unterdrücken, bevor sie den Tinnitus unterdrücken kann. 
  • Bei einer Hörminderung sollte unbedingt eine Hörverbesserung angestrebt werden, da sonst die Hörverarbeitung ihrer Filterfunktion nicht gerecht werden kann. 
  • Bei einem tonalen Tinnitus, der seine Frequenz nicht oder nur unwesentlich verändert, kann eine akustische Tinnitustherapie helfen (notched-noise-Therapie: www.mynoise.de)
  • Vor allem zu Beginn der Behandlung verhindern ständige neutrale Hintergrundgeräusche eine Fixierung auf den Tinnitus und damit eine Eskalation.
  • Stressreduzierende Maßnahmen helfen den Teufelskreis aus Tinnitus und Stress zu durchbrechen. Hierzu zählen z.B Bewegung, Entspannungstechniken oder Akupunktur. 
  • Muskuläre Verspannungen im Bereich der Kiefergelenke und des Schulter-Nacken-Bereiches sollten abgebaut werden. Hierzu dienen z.B. Beißschienen beim Zähnepressen oder -knirschen, krankengymnastische Maßnahmen (kann der Zahnartz verschreiben) und Akupunktur.
  • Die Einstellung gegenüber dem Tinnitus entscheidet langfristig am meisten über den Erfolg der Behandlung: Je wichtiger man den Tinnitus nimmt, desto lauter wird er. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen können hier zu einer positiven Veränderung führen. 

Und jetzt sind Sie dran! Infos zu allen einzelnen Punkten gibt es auch in der Youtube-Tinnitussprechstunde von Dr.Walter (http://www.mynoise.de/de/ebook-webinare/online-tinnitus-sprechstunde.html) und auch zur Checkliste selbst gibt es ein kleines Video:


Mittwoch, 19. April 2017

Notched Noise Therapie mit mynoise oder tinnitracks?

Die Notched Noise Therapie beim tonalen Tinnitus, also einem Tinnitus, der seine Frequenz nicht oder nur unwesentlich ändert, ist in aller Munde und während die HNO-Fachverbände mit einer Beurteilung noch zögerlich sind, erstatten erste Krankenkassen bereits das Verfahren.

Aber welche Notched Noise Therapie ist die Richtige? Dabei fällt eine erste Auswahl nicht schwer, denn nur zwei der auf dem Markt befindlichen Notched Noise Therapieverfahren sind als Medizinprodukt in Deutschland zugelassen: die App tinnitracks von sonormed und die Download-Dateien von mynoise. Beide Verfahren filtern die Tinnitusfrequenz wie in den Studien von Pantev und Lugli beschrieben, aus einem breitfrequenten Grundgeräusch: tinnitracks aus geeigneter Musik und mynoise aus einem modifizierten braunen Rauschen oder Wasserplätschern. Zusätzlich hierzu werden bei mynoise die benachbarten Frequenzen angehoben, um den Hemmeffekt auf den Tinnitus zu verstärken.

Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile: tinnitracks wirbt damit, den Tinnitus mit eigener Musik zu therapieren, so dass hier ein gewisser Lifestyle-Effekt erzielt wird, mynoise setzt dagegen auf den Noiser-Effekt, d.h. das Grundgeräusch ist neutral und wird daher von der Hörverarbeitung relativ schnell unterdrückt, so dass die täglich mindestens zweistündige Behandlung nicht als störend empfunden, sondern kaum oder gar nicht wahrgenommen wird. Darüber hinaus ist bei der Behandlung mit Musik nur ein Tinnitus bis 8 kHz behandelbar, beim Rauschen/Plätschern lassen sich auch höhere Tinnitusfrequenzen noch therapieren. Auch der Preis ist unterschiedlich. Während sonormed auf ein Abo-Modell setzt, gibt es den Download der mynoise-Dateien für eine einmalige Bezahlung.

Einen Überblick über die Unterschiede gibt die folgende Tabelle:


Infos zu den beiden Verfahren finden sich auf den jeweiligen Webseiten der Anbieter:

http://www.mynoise.de/

http://www.tinnitracks.com/de

Donnerstag, 9. März 2017

Tinnitus und Stress


Stress und die damit verbundenen Verspanungen im Kiefer- und Nackenbereich sind eine der häufigsten Ursachen für Tinnitus, vor allem bei sonst hörgesunden jungen Menschen. Das liegt daran, dass die Hörverarbeitung, die letztlich entscheidet, ob ein Tinnitus stört oder nicht, bei Stress alle Geräusche verstärkt, statt sie zu filtern und damit eben auch den Tinnitus lauter macht.

Dadurch aber entsteht ein Teufelskreis aus Stress und Tinnitus, der im Laufe der Zeit immer weiter eskalieren kann und zu einer deutlichen Beeionträchtigung der Lebensqualität führt: Stress verursacht den Tinnitus, der Tinnitus verstärkt den Stress...

Was das für die Behandlung eines Tinnitus bedeutet und was das mit einem Hammer zu tun hat, erläutert Dr.Uso Walter in seiner Tinnitussprechstunden:



Und alle Infos zum Thema Tinnitus gibt es im kostenlosen E-Book "Chronischer Tinnitus - eine Gebrauchsanweisung" auf www.mynoise.de

Dienstag, 10. Januar 2017

Das Hörtraining Audiemus von mynoise erleichtert die Hörgeräteanpassung

Genauso wie man als Kind erst durch akustische Reize hören lernt, verlernt man es auch wieder mit zunehmender Schwerhörigkeit. Die Hörverarbeitung versucht nämlich, den Hörverlust auszugleichen und durch den damit verbundenen Verlust ihrer Filterfunktion kommt es häufig zu einer Geräuschüberempfindlichkeit.

Werden in dieser Situation Hörgeräte angepasst, kommt es zunächst zu einer doppelten Verstärkung durch die eigene Hörverarbeitung und das neue Hörgerät. Das wird oft als sehr unangenehm empfunden und führt nicht selten zum Abbruch der Anpassung oder zu den berühmten Hörgeräten in der Schublade statt im Ohr. 

Das muss allerdings nicht sein, denn der Lernprozess, der notwendig ist, um von den Hörgeräten rasch zu profitieren, lässt sich mit einem gezielten Hörtraining beschleunigen. Mynoise hat mit dem modularen Programm Audiemus ein solches Hörtrainig für die IAS (Individual Akustiker Service GmbH) entwickelt, mit dem Schwerhörige schon während des Anpassungsprozesses eine verbesserte Spracherkennung und Störschallunterdrückung lernen. Dabei wird durchgängig mit innovativem 3D-Sound gearbeitet, der ein realistisches akustisches Umfeld vermittelt und mit dem sich reale Hörsituationen im Sinne einer Virtual Reality simulieren lassen. 

Audiemus besteht aus acht aufeinander aufbauenden Modulen und wird als DVD mit Begleitheft ausgeliefert. Das Hörtraining ist bei allen Akustikern, die der IAS angeschlossen sind erhältlich: www.individualakustiker.de


Montag, 19. Dezember 2016

Warum ist eine Hörverbesserung bei Tinnitus so wichtig?

Hörgeräte haben immer noch nicht das beste Image und doch können sie gerade beim Tinnitus extrem hilfreich sein, da jeder Hörverlust mit einer Verstärkung des Tinnitus einhergeht. Daher kann in vielen Fällen sogar eine frühzeitige Versorgung mit einer Hörhilfe Sinn machen. Warum das so ist, zeigt der kleine Film von www.mynoise.de: