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Donnerstag, 5. Februar 2015

Tabletten gegen Tinnitus?

Tabletten gegen Tinnitus?

Immer wieder werden Medikamente zur Behandlung eines Tinnitus empfohlen. Was aber ist dran an der medikamentösen Tinnitustherapie? Um diese Frage zu beantworten, werden im Folgenden die am häufigsten empfohlenen Mittel kritisch betrachtet:





  • Ginko-Präparate verbessern die Mikrodurchblutung und dadurch die Sauerstoffversorgung im Gehirn und auch im Innenohr bei Mikrodurchblutungsstörungen. Da hiervon vor allem ältere und kranke Menschen betroffen sind, profitieren diese am ehesten von einer Ginkotherapie. Selbst beim chronischen Tinnitus kann ein Versuch mit einer langfristigen Ginkogabe sinnvoll sein. Dies gilt insbesondere auch als Begleitbehandlung für akustische Tinnitustherapien wie die mynoise-Therapie, da es sich hier um Lernvorgänge im Bereich der zentralen Hörverarbeitung handelt und Lernprozesse von einem leistungsfähigen Gehirn abhängen. Bei Ginko-Präparaten sollte auf die Qualität des pflanzlichen Wirkstoffs geachtet werden.
  • Kortison-Präparate haben nur einen Platz bei der Behandlung eines akut auftretenden Tinnitus, vor allem im Rahmen eines Hörsturzes, eines Knalltraumas oder bei einem infektbedingten Tinnitus, z.B. nach einer Mittelohrentzündung. Hochdosiertes Kortison kann als Tablette oder Infusion gegeben werden und unterstützt die Selbstheilungsvorgänge im Innenohr. Beim chronischen Tinnitus haben Cortisonpräparate dagegen keinen Platz.
  • Betahistin-Präparate verhindern beim Morbus Meniere den so genannten Endolymphhydrops und sind daher bei einem Tinnitus im Rahmen dieser Erkrankung indiziert.
  • Nahrungsergänzungsmittel  wie Vitamine, Elektolyte oder Aminosäuren sind nur in Einzelfällen sinnvoll, wenn der Verdacht auf einen entsprechenden Mangel, z.B. durch andere Erkrankungen oder lange andauernde Stresssituationen, besteht und können nicht generell bei Tinnitus empfohlen werden.
  • Homöopathische und pflanzliche  Mittel haben weder beim akuten noch beim chronischen Tinnitus einen direkten Effekt. Sie können aber bei vegetativen Begleiterscheinungen wie Nervosität oder Schlafstörungen eingesetzt werden.
Die Hoffnungen auf ein allgemein wirksames Tinnitus-Medikament haben sich in den letzten Jahren immer wieder zerschlagen und es gilt nach wie vor, dass vor allem beim chronischen Tinnitus nur eine individuelle, multimodale Therapie aus verschiedenen, aufeinander abgestimmten Behandlungsmaßnahmen zum Erfolg führt.

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