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Dienstag, 24. Mai 2016

Die zwei größten Irrtümer über Tinnitus

Wohl über kaum ein Krankheitsbild wird so viel Unsinn verbreitet wie über Tinnitus. In der Online-Tinnitus-Sprechstunde klärt Dr.Uso Walter die beiden am weitesten verbreiteten Irrtümer auf:


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Donnerstag, 19. Mai 2016

Zunkunftsaussichten der Tinnitus-Therapie - das Expertengespräch

Bei der Jahrenversammlung der "Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Kopf- und Halschirurgie e.V." in Düsseldorf ging es dieses Jahr unter anderem auch um Tinnitus. Besonders aufschlussreich war das Expertengespräch am Samstagmorgen, das von Prof.Stöver aus Frankfurt souverän moderiert wurde. Vier ausgewiesene Tinnitusexperten berichteten in Kurzvorträgen über ihre aktuellen Forschungen, deren Ergebnisse dann anschließend mit dem Publikum diskutiert wurden.

Den Anfang machte Frau Prof.Knipper aus Tübingen, die über medikamentöse Beeinflussungen der Tinnitusverarbeitung im Zentralnervensystem berichtete. Unter der Vorstellung, dass Tinnitus das Ergebnis eines Ungleichgewichts von erregenden und hemmenden Impulsen im Gehirn ist, wurden verschiedene potenzielle Beeinflussungsmöglichkeiten, unter anderem auch über das Innenohr, diskutiert. Eine wirklich erfolgversprechende Substanz gegen den Tinnitus sei aber nach wie vor nicht in Sicht.

Frau Prof.Mazurek von der Charité in Berlin stellte zunächst noch einmal klar, dass vor allem (Dis)Stress der Hauptverstärker eines Tinnitus sei. Dies erkläre auch die hohe Zahl psychischer Folgebeschwerden. Sie stellte die molekularbiologischen Veränderungen im Bereich der Zellen vor, wo sich z.B. Ähnlichkeiten bei Patienten mit chronischem Tinnitus und Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen fänden. Die Forschung in diesem Bereich stände jedoch noch ganz am Anfang und insofern ließen sich noch keine konkreten Handlungsempfehlungen für die Tinnitus-Therapie ableiten.

Prof.Biesinger stellte eine Studie vor, in der sich chronische Tinnitusbeschwerden durch Neuraltherapie verbessern ließen, wenn sich Blockaden im Kiefergelenks- oder HWS-Bereich nachweisen ließen.

Schließlich erläuterte Frau Prof.Olze aus Berlin anhand von Einzelfällen den positiven Effekt eines Cochlea Implant, also eines künstlichen Innenohres, bei tauben oder hochgradig schwerhörigen Tinnituspatienten. Hier sollte die Indikation in Zukunft wesentlich großzügiger gestellt werden.

Alle Vortragenden waren sich einig, dass chronischer Tinnitus vor allem ein Problem der neurologischen Verarbeitung sei, bei der neben der eigentlichen Hörverarbeitung auch das vegetative Nervensystem (für Stress zuständig) und das limbische Nervensystem (für Emotionen zuständig) sowie die Bewertung des Tinnitus eine wichtige Rolle spiele. Eine effektive Therapie bestehe also grundsätzlich aus mehreren, individuell zusammengestellten Bausteinen.

Montag, 16. Mai 2016

Umfrage zur Häufigkeit und Wirksamkeit von Tinnitus-Therapie-Verfahren


Methode 

 Es wurden 116 Patienten mit chronischem Tinnitus (>6 Monate) über einen standardisierten online-Fragebogen nach den bisher bei Ihnen durchgeführten Therapieverfahren befragt. Die Patienten konnten dabei aus einer vorgegebenen Liste die verschiedene Standardverfahren auswählen. Mehrfachnennungen waren möglich.Anschließend sollten sie die Wirksamkeit der bei Ihnen durchgeführten Verfahren anhand einer Bewertungsskala von 0-5 bewerten (0=keine Wirksamkeit bis 5= sehr gute Wirksamkeit).

Ergebnisse

Die am häufigsten angewendeten Verfahren, Beratung (62,9%)und Medikamente (58,6%) hatten die niedrigste subjektive Wirksamkeit (1,9 bzw. 1,8). Die am seltensten angewendeten Verfahren, akustische Tinnitustherapie (6%) und kognitive Verhaltenstherapie (6%) hatten die größte subjektive Wirksamkeit (4,2 bzw. 4,9). Dazwischen lagen Entspannungsverfahren (37,9%;2,8), Physiotherapie (30,2%; 2,5), Noiser (19,8%; 2,5), Hörgerät (19,0; 3,0), Psychotherapie (18,1%; 3,0) und Kiefergelenksbehandlung (17,2%; 2,5).

Schlussfolgerungen

Es besteht eine große Diskrepanz zwischen der Häufigkeit der beim chronischen Tinnitus angewendeten Therapieverfahren und deren subjektiver Wirksamkeit. Insbesondere die in den letzten Jahren wissenschaftlich gut dokumentierten akustischen Tinnitus-Therapieverfahren und die kognitive Verhaltenstherapie werden nur sehr selten eingesetzt, obwohl sie die mit Abstand größte Wirksamkeit haben. Dagegen werden Medikamente, die bei der Behandlung des chronischen Tinnitus nach den Leitlinien eigentlich keine Rolle mehr spielen sollten, immer noch sehr oft verordnet ohne einen spürbaren therapeutischen Effekt zu haben.  

 Es ist festzustellen, dass der Paradigmenwechsel in der Behandlung des chronischen Tinnitus, der sich in den Leitlinien und den wissenschaftlichen Veröffentlichungen längst vollzogen hat, noch nicht in der Praxis angekommen ist.