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Donnerstag, 19. Mai 2016

Zunkunftsaussichten der Tinnitus-Therapie - das Expertengespräch

Bei der Jahrenversammlung der "Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Kopf- und Halschirurgie e.V." in Düsseldorf ging es dieses Jahr unter anderem auch um Tinnitus. Besonders aufschlussreich war das Expertengespräch am Samstagmorgen, das von Prof.Stöver aus Frankfurt souverän moderiert wurde. Vier ausgewiesene Tinnitusexperten berichteten in Kurzvorträgen über ihre aktuellen Forschungen, deren Ergebnisse dann anschließend mit dem Publikum diskutiert wurden.

Den Anfang machte Frau Prof.Knipper aus Tübingen, die über medikamentöse Beeinflussungen der Tinnitusverarbeitung im Zentralnervensystem berichtete. Unter der Vorstellung, dass Tinnitus das Ergebnis eines Ungleichgewichts von erregenden und hemmenden Impulsen im Gehirn ist, wurden verschiedene potenzielle Beeinflussungsmöglichkeiten, unter anderem auch über das Innenohr, diskutiert. Eine wirklich erfolgversprechende Substanz gegen den Tinnitus sei aber nach wie vor nicht in Sicht.

Frau Prof.Mazurek von der Charité in Berlin stellte zunächst noch einmal klar, dass vor allem (Dis)Stress der Hauptverstärker eines Tinnitus sei. Dies erkläre auch die hohe Zahl psychischer Folgebeschwerden. Sie stellte die molekularbiologischen Veränderungen im Bereich der Zellen vor, wo sich z.B. Ähnlichkeiten bei Patienten mit chronischem Tinnitus und Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen fänden. Die Forschung in diesem Bereich stände jedoch noch ganz am Anfang und insofern ließen sich noch keine konkreten Handlungsempfehlungen für die Tinnitus-Therapie ableiten.

Prof.Biesinger stellte eine Studie vor, in der sich chronische Tinnitusbeschwerden durch Neuraltherapie verbessern ließen, wenn sich Blockaden im Kiefergelenks- oder HWS-Bereich nachweisen ließen.

Schließlich erläuterte Frau Prof.Olze aus Berlin anhand von Einzelfällen den positiven Effekt eines Cochlea Implant, also eines künstlichen Innenohres, bei tauben oder hochgradig schwerhörigen Tinnituspatienten. Hier sollte die Indikation in Zukunft wesentlich großzügiger gestellt werden.

Alle Vortragenden waren sich einig, dass chronischer Tinnitus vor allem ein Problem der neurologischen Verarbeitung sei, bei der neben der eigentlichen Hörverarbeitung auch das vegetative Nervensystem (für Stress zuständig) und das limbische Nervensystem (für Emotionen zuständig) sowie die Bewertung des Tinnitus eine wichtige Rolle spiele. Eine effektive Therapie bestehe also grundsätzlich aus mehreren, individuell zusammengestellten Bausteinen.

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