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Sonntag, 6. August 2017

"Baby Driver" und der Tinnitus

Im neuen Film "Baby Driver", einem Action-Thriller von Edgar Wright, versucht der Held, seinen Tinnitus durch ständiges Hören von Musik zu übertönen, um so das lästige Piepsen loszuwerden. Aber macht das medizinisch gesehen Sinn?

Die Antwort ist ein klares Nein! Denn laute Musik verdeckt den Tinnitus zwar kurzfristig, verschlechtert ihn aber langfristig: Das liegt daran, dass jedes Mal nach dem Musikhören ein Demaskierungseffekt auftritt, d.h. die Hörverarbeitung entdeckt den Tinnitus immer wieder neu und verstärkt ihn entsrechend ihrer Aufgabe, potenziell bedrohliche oder krankhafte Geräsuche bewusst zu machen.

Dennoch gehören auch Geräusche zur Tinnitusbehandlung, um den Stressfaktor Tinnitus zu reduzieren und den Teufelskreis aus Tinnitus und Stress zu durchbrechen. Diese Geräusche sollten allerdings leiser als der Tinnitus sein und möglichst angenehm oder neutral, damit die Hörverarbeitung sie unterdrückt und die zusätzlichen Geräusche nicht selbsst zum Stressfaktor werden. Das können Naturgeräusche sein oder ein einfaches Rauschen, wie es beim Noiser eingesetzt wird.

Im Falle von "Baby Driver" wäre im übrigen weniger eine akustische Behandlung sinnvoll als vielmehr eine Reduzierung von Stress, der wie ein Lautstärkeknopf den Tinnitus verstärkt. Denn was er in dem rasanten Film alles erlebt, hätte wohl bei den meisten noch ganz andere Beschwerden als einen Tinnitus ausgelöst.